Wir schätzen den Beginn der ideologischen Krise Goldbergs auf das Jahr 1907. Sein Studienort Freiburg war Anfang des Jahrhunderts eine Hochburg der Nietzsche-Anhänger, so ist es nur wahrscheinlich, daß Goldberg hier Einführung fand in die Gedankenwelt seines späteren philosophischen Vorbildes Nietzsche, u.U. im Kontakt mit seinem Kommilitonen aus Berlin und nun in Freiburg, Alfred Döblin. Auch dürfte er hier erstmalig mit der Esperantosprache konfrontiert worden sein. Es ist zu vermuten, daß er sich darauf basierend an den Diskussionen zur Gründung des Reform-Esperantos (IDO) im Jahre 1907 beteiligt haben könnte. Er bekannte sich in dieser Zeit zunehmend zu seiner agnostischen Haltung und trat schließlich am 15.05.1910 aus der Jüdischen Gemeinde Adass Jisroel verzeichnet. Offensichtlich hat er 1907/1908 geheiratet, seine Frau hiess Henny (geboren 1883 in Kyritz) und die Ehe bekam eine Tochter Edith (1909). In einem Zeitungsartikel in der Mariendorfer-Tempelhofer Zeitung vom 25.10.1921 wird erwähnt: „Seitdem er sich von seiner Frau getrennt hat, war er einige Zeit in Amerika und England…“. Sein Vater Ludwig Goldberg bedenkt in seinem Testament im Jahre 1913 bzw. im zweiten Testament vom 27.02.1914, in welchem er Heinrich wegen dessen Überschuldung enterbt, auch Heinrichs „eheliche“ Kindern; aber weder die Frau noch die Tochter werden namentlich erwähnt. Es bleibt die Frage, ob es noch andere Kinder gegeben hat und wohin die uns aus der Passagierliste des Jahres 1913 bekannten Ehefrau und Tochter Edith verschwunden sind. Als Wohnsitze sind in dieser Zeit die Treskowstr. 1, Hohenschönhausen Berlin (1910) und die Berliner Str. 118-119 desselben Bezirks (1912 bis 1914) angegeben, wo er als praktischer Arzt verzeichnet ist.

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