Es sind sicher verschiedene Gründe, die dazu führen, daß Heinrich Goldberg in diesem Jahr eine entscheidende Krise erlebt und dem psychischen Zusammenbruch nahe kommt. Sicherlich spielt eine diffuse Unzufriedenheit mit den allgemeinen Verhältnissen eine Rolle sowie die enger werdende Bedrohung durch die Justizbehörden, die ihn seit 1911 wegen der ärztlichen Delikte verfolgen. Seine Familie versucht, ihn von seiner depressiven Stimmung zu befreien, indem sie mit ihm eine Reise mit dem Schiff nach Amerika unternehmen. Am 1.5.13 verlassen sie Hamburg, ausser Heinrichs Eltern sind Ehefrau Henny und die kleine Edith dabei (Passagierliste der HAPAG). Sie treffen in New York am 10.5. ein und besuchen ausserdem Detroit und die Niagara Falls. Danach, einem von HG in La Socio Jahre später geschriebenen Artikel zufolge, fuhren sie nach Spanien und Italien. Pompeji, Neapel, und Como sind die uns bekannten Stationen. In Como verlässt HG seine Familie, fährt zuerst in die Schweiz und danach nach Paris und London. Hier ist der endgültige Bruch mit seinem früheren Leben: mit der Familie, mit dem Beruf; jetzt übernimmt er den neuen Namen Filareto Kavernido. Seine Spur verliert sich für uns in England. Hier gibt der zitierte Artikel der Mariendorfer Tempelhofer Zeitung nur am Rande den Hinweis, daß Goldberg zu Beginn des Krieges in England interniert worden sei. Am 28.01.1917 stirbt sein Vater Ludwig Goldberg. Er wird auf dem Friedhof der Gemeinde Adass Jisroel in Berlin beerdigt. Das Grab existiert noch. Er enterbt Heinrich wegen Überschuldung. Seine Haupterben sind seine Ehefrau; Heinrich Goldbergs Kinder sowie die Tochter seiner verstorbenen Tochter Margarete; Nacherben die „ehelichen Kinder“ Heinrichs. Den Wert seines Testaments gibt Ludwig Goldberg 1913 mit 120.000 Mark an, nach heutigem Stand ca. 1 Mio Euro. Heinrich Goldberg kommt also November 1918 nach Berlin zurück, wie er selber in einem Brief schreibt, sofort „nach der Revolution“, und zwar von Den Haag aus, wo er zumindest die letzten Monate von 1918 verbracht hat. So kommt Goldberg, bereits als Filareto Kavernido zurück in ein Berlin des Aufbruchs, dem idealen Nährboden, um seine Theorien, die er im Ausland weiterentwickelt hat, in die Praxis umzusetzen.

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