Eine der ersten organisatorischen Aktivitäten Goldbergs ist die Gründung einer Gruppe von Handwerkern und Schneidern in diversen Stadtteilen Berlins (z.B. Mariendorf). Diese Menschen werden von seinen Vorschlägen und sofortigen praktischen Lösungen angezogen, die eine Kombination von utopischen Ideen des Kleinhandwerks- und Agrarkommunismus mit philosophischen und moralischen Grundsätzen der deutschen Philosophie, insbesondere Nietzsches, sind. Strenge Disziplin und die Erziehung zum Verzicht und zur Abhärtung des Individuums auf dem Weg zum Übermenschen sind Bestandteile dieses Ideenkatalogs. Dem Anarchismus entnommene Gedanken wie Dezentralisierung, Ablehnung der Staatsregulierung und Individualismus sowie Pazifismus und Internationalismus (dessen Artikulationsform die internationale Sprache IDO darstellen soll) gehören ebenso dazu wie die in manchen revolutionären Kreisen damals gängigen Ideen zur Gesundheit, Natur, Zerschlagung der Ehe und freien Sexualität. Er gründet die Kommune „La Kaverno di Zaratustra“ (dieser Name steht in der IDO-Sprache für „Die Höhle des Zarathustra“ und ist Ausdruck seiner Bewunderung für die Ideen Nietzsches). Er hat die bürgerlichen Konventionen und Kleidung abgelegt und läuft „mit langen Haaren, einem schwarzen Vollbart und bekleidet mit einem weissen, langen Umhang, der einen Arm frei liess…herum, an den Füssen trug er Sandalen. Jedenfalls immer Aufsehen erregend und bisweilen Spott auf sich ziehend, was ihn aber gleichgültig ließ.“ (Aus der Aufzeichnung seines Sohnes Vertuemo). Er betrachtet sich als Propagandist, als „Jünger“ Nietzsches und als Prophet; er hält Vorträge und beteiligt sich an öffentlichen Diskussionen in Berlin. In einem anderen Artikel aus der Tempelhofer Mariendorfer Zeitung vom 13.06.1921 wird von der Einladung Goldbergs durch den Weißenseer Arbeiter Elternbund berichtet, einen Vortrag zum Thema: „Über die Unfähigkeit der Sozialisten und Kommunisten, ihre Anhänger für höheren Kulturstufen reif zu machen“. Er schart eine Gruppe von Gleichgesinnten verschiedener Gesellschaftsschichten um sich, deren Anzahl ein paar Dutzend sicherlich nicht überschreitet und ausserdem stark fluktuiert. Während der Revolutionsmonate scheint er sich mit seinen Propagandabemühungen im Umfeld linker Revolutionäre und Rätekommunisten zu bewegen. Er war sehr schnell von dem „nach der Revolution herrschenden neuen Geist, der wirklich noch bürokratischer war als der des alten Regimes, enttäuscht“, wie er in La Socio Jahre später schrieb. Somit versuchte er mit umso grösserer Überzeugung, „seinen eigenen Weg zu gehen“. Doch manche der Kommunemitglieder stammen aus diesem Umfeld; so Johanna Gerbeit, geb. Gloger (Hannchen) die mit Rosa Luxemburg bekannt war. Bald freilich kapselt sich die Kommune aufgrund ihrer Tagesaktivitäten und wirtschaftlichen Ziele mehr und mehr von den klassenkämpferischen Organisationen ab, die FK strikt ablehnt.

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