In diesen Jahren nehmen die Aktivitäten zur Verbreitung des Wirkungskreises der Kommune in Berlin zu. Anfang Januar 1921 beteiligt er sich am Treffen der Anhänger der Siedlungs- und Landkommunenbewegung in Worpswede. Die Konferenz findet im Barkenhoff statt, dem Hause des bekannten Malers Heinrich Vogeler. Sie soll der Gründung einer gesamtdeutschen Organisation aller an der Entwicklung einer alternativen Lebensweise auf dem Lande interessierten Gruppen eine theoretische Grundlage geben. Filareto kann seine Vorschläge nicht durchsetzen, der Forscher Paul Robien erhält schliesslich den Auftrag, das Manifest zu verfassen. Daraufhin zieht sich der sicherlich sehr enttäuschte Filareto vom Treffen zurück. Vermutlich unternimmt er erneut Reisen in Deutschland und in andere europäische Länder, über deren Ergebnisse wir nichts berichten können. Er beteiligt sich auch an Vorträgen und Debatten in Schulsälen und anderen öffentlichen Veranstaltungsräumen in Berlin. Harry Wilde berichtet über eine öffentliche Streitdebatte mit Theodor Plievier in der Aula der Schule der benachbarten Weinmeisterstrasse, die im Mai 1924 stattgefunden haben soll. 1922 ist Dr. H. Goldberg als „Arzt und Philosoph“ in der Rosenthaler Str. 62 gemeldet. Noch einmal eine interessante Parallele zu seinem alten Kommilitonen Alfred Döblin, der in einem Selbstporträt 1927 sich selbst als „Arzt und Dichter“ bezeichnete. Ab 1923 und mit Unterbrechungen bis 1927 wird seine Adresse als Arzt in der benachbarten Mulackstr. 21, 1. Stock, angegeben. Seine Mutter ist zwischen 1923 und 1925 in der Rosenthaler Str. 62 als „Goldberg, Elise, vw. Arzt“ eingetragen. Zeugnis seines Bekanntheitsgrades geben verschiedene Memoiren, die jener Epoche Berlins gewidmet sind, wie z.B. „Theodor Plievier – Nullpunkt der Freiheit“ von Harry Wilde oder „Talisman Scheherezade“ von Max Fürst. Filareto versucht mit Ausdauer, jedoch ohne Erfolg, die finanzielle Basis der Kommune abzusichern. Er pendelt zwischen der Landkommune im Roten Luch und der Kommune in der Mulackstr. 21 hin und her. Die Mitglieder hacken Kleinholz, machen Transporte und Putzarbeiten und beteiligen sich an den Veranstaltungen und Diskussionen. Der Wirkungskreis verengt sich durch die sich verhärtende politische Lage und die finanziellen Nöte. Nicht zuletzt sind unter anderem etliche Kinder zu unterhalten, die noch nichts zum Kommuneeinkommen beisteuern. Aus den erwähnten Erinnerungen wissen wir, dass sich bei der Kommune zeitweilig Gäste aus befreundeten anarchistischen Gruppen aus dem Ausland aufhalten. Dank der Memoiren von Joaquín Maurín, führendes Mitglied der mächtigen spanischen anarcho-syndicalistischen Gewerkschaft CNT, wissen wir vom kurzen und ereignisreichen Aufenthalt 1921 in der Kommune der „Kinder von Zarathustra“, wie er sie nennt, vom Anarchisten und Lebensabenteurer Jesús Ibáñez. Ibáñez war als delegierter seiner Gewerkschaft CNT auf dem Wege nach Moskau, um mit vier anderen Kollegen am Dritten Weltkongress der Kommunistischen Internationale als Beobachter teilzunehmen. Er war den Kameraden vorausgereist, da er sich bereits auf der Flucht von der spanischen Justiz in Paris im Exil befand, und sollte in Berlin einige Tage auf sie warten. Als er erfuhr, dass es eine Kommune gab, in der unter anderem die freie Liebe praktiziert wurde, trennte er sich von seinen eher biederen deutschen Gastgebern und eilte, diese sagenhafte Gruppe aufzusuchen. Als Filareto nach einigen Tagen nach Berlin zurückkam, war er über die Anwesenheit des fröhlichen Fremden, der sich in der Mulackstrasse eingenistet hatte, nicht sonderlich erfreut. Es entbrannte eine heftige Diskussion, die in eine Schlägerei ausartete. Von den Nachbarn alarmiert, war die Polizei prompt zur Stelle und nahm die zwei Streithähne mit aufs Polizeirevier. Ibáñez wurde kurz darauf von seinen Genossen aus dem Kommisariat geholt und konnte mit den anderen vier spanischen Delegierten nach Moskau reisen, wo sie am Kongress teilnahmen, der zwischen Juni und Juli 1921 stattfand, und wo sie sogar von Lenin persönlich empfangen wurden. Filareto seinerseits konnte der langen Liste seiner Zusammenstösse mit Polizei und Obrigkeit einen neuen Zwischenfall hinzufügen. Eine Berliner Boulevardzeitung der Ullstein-Gruppe veröffentlicht einige Jahre später, die Kommune ist bereits nach Frankreich gezogen, einen von Harry Wilde erwähnten Artikel mit dem Titel „Freie Liebe hinterm Bahndamm“. Es hat verschiedene Skandale wegen freier Körperkultur in der Öffentlichkeit gegeben. Wie bereits berichtet, arbeitet Filareto Kavernido auch als Arzt und bekommt Probleme wegen des Paragraphen 218, der die Abtreibung verbietet. Er verlässt offenbar Berlin und reist ins benachbarte Frankreich. Im August 1925 schreibt FK aus Paris an die Züricher Anarchistin Margarethe Hardegger mit der Bitte um Aufnahme seiner Gruppe in die von dieser mitgegründete Kommune in der Schweiz. Er schreibt, daß er aus juristischen Gründen aus Deutschland fliehen mußte: außerdem erwähnt er in diesem Brief, dass er letzlich die Auswanderung der gesamten Gruppe nach Haiti anstrebt. Margarethe Hardegger hat offensichtlich seine Bitte abgeschlagen; sie war schliesslich von der Idee des Kommune-Lebens abgekehrt. In einem im Jahre 1929 geschriebenen Artikel erklärt Filareto, dass er über 6 Jahre seines Lebens in Gefängnissen von 5 verschiedenen Ländern wegen seiner Überzeugungen und seiner Entscheidung verbracht hat, ohne Achtung der Gesetze und Konventionen der bürgerlichen Gesellschaft zu leben. In dieser Zeit gibt es mindestens eine weitere Kommune, die in engerem Kontakt zur Kaverno di Zarathustra steht, die Kommune „Freie Erde“ in Düsseldorf-Eller unter der Führung von Gerhard Schöndelen und seiner Frau Agnes (die große Agnes). Diese hatten dort offiziell von der Stadt Düsseldorf ein Haus bekommen.

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