Während dieser Jahre hält sich die Kommune in Frankreich auf, zuerst in Tourrettes, danach versucht sie, sich auf Korsika niederzulassen Wir vermuten eine ständige starke Fluktuation der Mitglieder, so daß zum Schluss die Kerngruppe fast auf Familiengröße zurückgegangen war (Filareto, seine Lebensgefährtin, Karl Uhrig, die Gruppe um Gerhard Schöndelen und wenige mehr, dazu mehrere Kinder). Wie es scheint, treiben die Kommunemitglieder eine Art Subsistenzlandwirtschaft auf dem vom Sanatorium gepachteten Land und leisten gelegentlich Hilfsarbeiten im Krankenhaus. Vermutlich setzt Filareto seine Versuche fort, neue Mitglieder aus Deutschland anzuziehen bzw. die alten „Flüchtigen“ zurückzugewinnen. Es gibt schöne, idealisierende Photographien der Kommune, die diesem Zweck gedient haben könnten. Er pflegt auch den Kontakt zu E. Armand, der in Paris-Orléans eine Zeitschrift, „L’en dehors“ herausgibt. Armand ist Anarcho-Kommunist, Anhänger der freien Liebe, Idoist und Befürworter der Gründung von Siedlungen und Kommunen. Filareto schreibt in dieser Zeitung Berichte und polemisiert mit anderen Gesinnungsgenossen. 1928-1929 hat sich die Lage nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Seien es die finanziellen Probleme, nach dem das Sanatorium ihre Pforten praktisch schliessen muss, die Streitigkeiten innerhalb der Gruppe oder die Probleme mit der Justiz und die drohende Ausweisung aus Frankreich, das Ergebnis ist, dass irgendwann gegen Ende 1928 die Gruppe beschliesst, auf Korsika überzusetzen und in der Nähe von Ajaccio den Versuch fortzuführen. Wieso ausgerechnet Korsika, in der Nähe Ajaccios, wissen wir noch nicht. Die Kommune scheint dort mit dem Zugang von neuen Kameraden aus Deutschland stark angewachsen zu sein, damit nehmen aber auch die Probleme und Zwistigkeiten unter den Mitgliedern zu. Das gepachtete Land erweist sich als ungeeignet und ungesund, viele Mitglieder – Filareto spricht von über 20 – erkranken an Paludismus. Hier muss Filareto anscheinend wegen Erregung öffentlichen Skandals einige Zeit im Gefängnis verbringen. Die Kommune löst sich praktisch auf. Übrig bleiben 3 Erwachsene und 4 Kinder, die den Entschluss fassen, eine lange Reise zu unternehmen, um ihre Utopie in einer günstigeren Umgebung fortzusetzen. Der alte Plan, nach Haiti zu gehen, wird mit dem letzten Geld verwirklicht. Die Restgruppe besteht aus Filareto, seiner Lebensgefährtin mit den vier Kindern und Karl Uhrig.

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