Chronik der Familie Schöndelen

Gerhard Schöndelen (1885-1966)
Agnes Kautz (1892-1968)

Gerhard Schoendelen war zusammen mit Agnes Kautz und ihren Kindern nicht nur zahlenmässig ein bedeutender Bestandteil der Kaverno di Zaratustra. Bis jetzt wussten wir sehr wenig über ihn. Er war aktiver Teilnehmer bei diversen Versuchen und Aktionen für ein alternatives Leben unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg in Uerdingen und Düsseldorf. Anfang der 20er Jahre besetzte er mit seiner Frau Agnes ein Haus (Bewegung Freie Erde). Er wurde schnell bekannt als flammender Anhänger der freien Liebe, wahrscheinlich wegen der prüden Reaktionen von aufgeregten Zeitgenossen und der übertriebenen Berichterstattung der Lokalpresse. Bald darauf nahm er Kontakt zu der Berliner Gruppe um Dr. Goldberg auf und nannte sich und seine kleine Kommune fortan auch “Kaverno di Zaratustra”. Beide Gruppen, die Berliner und die Düsseldorfer, versuchten, die radikalsten Prinzipien des Anarcho-Kommunismus in die Praxis umzusetzen: gemeinsames Leben in einer Kommune in der Natur, Teilung von Arbeit und Einkommen, Abschaffung der traditionellen Ehe und Familie, freie Liebe, gemeinsame Erziehung der Kinder innerhalb der Kommune, Sonnenanbetung und Nudismus usw. Sie versuchten 5-6 Jahre lang, auf diese Weise zu leben, aber das Projekt scheiterte immer wieder an Streitigkeiten und finanziellen Schwierigkeiten. 1925/26 wanderte die Kommune dann nach Frankreich (1925/26) aus, erst nach Tourrettes sur Loup, danach nach Korsika. Das Experiment nahm bekanntlich 1929 ein abruptes Ende (siehe Beiträge bei www.filareto.info, wie https://filareto.info/zeitgenossen).

Dank dem glücklichen Umstand, dass 2020 Angehörige der Familie Schoendelen über unsere Seite www.filareto.info Kontakt mit uns aufgenommen haben, können wir nun ein etwas detaillierteres Bild dieser Familie darstellen.

Agemino auf Korsika (1929)

Die 1924 geborene Tochter Agemino Schoendelen mit ihrer Tochter Heidi haben uns 2020 viele Geschichten und neue Fakten und Erkenntnisse vermittelt. Agemino war gerade 6 Jahre alt als ihre Mutter mit ihr und den anderen jüngeren Geschwistern von Korsika floh. Es sind ziemlich genaue wenn auch fragmentarische Erinnerungen, die sehr wertvoll sind, um die uns bereits bekannten Informationen zu vervollständigen. Nachfolgend die provisorische Geschichte der Familie Schoendelen.

Gerhard Schoendelen wurde am 6.9.1885 in Dülken (Niederrhein) geboren. Die Familienangehörigen wisssen noch, dass er sieben Brüder und eine Schwester hatte, und ein aussergewöhnlich guter aber unkonzentrierter Schüler gewesen sein soll, der den Schulkameraden im Wissen voraus war. Die Lehrer versorgten ihm mit Extra-Lektüre. Er verliess die Schule und machte eine Maurerlehre. Als junger Mann bestritt er seinen Lebensunterhalt einige Zeit als Maurergeselle. Er soll später sogar in Südamerika sein Glück versucht haben. Auch arbeitete er eine Zeit lang als Maurer bei seinem Bruder, der in Uerdingen ein kleines Baugeschäft hatte.

Agnes Kautz, geboren am 24.5.1892, entsammte einer normalen kleinbürgerlichen Familie. Der Vater war angestellter Gärtner bei der Stadt Uerdingen und hatte ein gutes, festes Einkommen. Sie hatten ein Haus, das heute noch in der Düsseldorfer Strasse steht, und auch ein paar Immobilien, die später, während der Inflationsjahre und Krisen letztendlich verkauft werden mussten. Sie erlernte keinen Beruf.

Als Agnes und Gerhard ihre Beziehung begannen, waren die Eltern wohl wenig angetan von der Partnerwahl ihrer Tochter. Sie erahnten zu Recht eine eher unruhige Zukunft für ihre Tochter, sie hatten wohl den um sieben Jahre älteren umtriebigen Mann als einen unsicheren Kandidaten “durchschaut”. Nun war die noch nicht volljährige Agnes plötzlich schwanger, und die Eltern mussten wohl oder übel einer Heirat mit Schoendelen zustimmen. Anderenfalls hätten sie den sehr hohen Betrag von 3000 Goldmark (ca. 20.000 Euro des Jahres 2020) für die Absicherung der Zukunft der 1912 geborenen Mathilde hinterlegen müssen.

Agnes mit Klein Agnes und Mathilde (1914)

Während der nächsten Jahre bekam das Paar weitere Kinder. Nach Mathilde kam Heinrich Gerhard (1913), der früh starb. Danach wurde Agnes geboren (1914).

Schoendelen wurde eingezogen und musste an die Front. Es ist nicht genau bekannt, wo er seinen Dienst ableistete. Jedenfalls war er 1914 noch nicht ein anarchistischer Kriegdienstverweigerer.

Als Gerhard nach Kriegsende aus der Front zurückkehrte waren die Umstände für die Integration in ein “normales” Leben denkbar ungünstig. Das vierte Kind, Sohn Karl, wird bald darauf geboren (November 1919). Er und Agnes versuchten, eigene Wege zu gehen. Die Erfahrungen des Krieges, vielleicht auch Bekanntschaften mit anderen ähnlich orientierten Kameraden bringen das Paar in Kontakt mit anarchistischen Kreisen. So taucht zum ersten Mal der Name Schoendelen in Zusammenhang mit einer bereits erwähnten Hausbesetzung auf. Er hatte vielleicht einige Anhänger um sich geschart; es gab eine Gruppe friedlicher Anarchisten, die mit der Stadt die Überlassung eines Grundstücks mit einem Haus ausgehandelt hatten. Im Dezember 1921, als sie einziehen wollten, mussten sie feststellen, dass es besetzt worden war; es war Schoendelen mit seiner Gruppe. Es kam sogar zu einem Handgemenge, bei dem die Mitstreiter von Schoendelen die Oberhand behielten. In

An der Front – Vor einem Unterstand, Schoendelen der erste von links

diesem Haus lebte die Gruppe 14 Tage nach anarcho-kommunistischen Grundsätzen, bevor die Polizei sie verjagte. Es ist sicherlich übertrieben, aber Zeitzeugen sprechen davon, dass Schoendelen “7 Frauen, 7 eigene Kinder und mit jeder Frau 1, 2 oder 3 Kinder” hatte. Und sie alle wohnten gemeinsam in dem Haus, wie derselbe aufgebrachte Zeitzeuge berichtet: “Sie wollten Nacktkultur und freie Liebe einführen, zusammen im Gemeinschaftsraum leben, essen, schlafen und lieben!”. Nach der Ausweisung, so die Chronik des Projekts Freie Erde, ließen sie sich dann am Eselsbach nieder. Sie bauten sich eine Hütte und wohnten ½ Jahre in dieser Behausung, bis sie dann wieder verjagt wurden. Und hier ist wahrscheinlich der Zeitpunkt, an dem sie den Kontakt zur Kaverno herstellen. Die Spur verliert sich jetzt ein wenig – wir nehmen an, sie lebten weiter wie die die Kameraden der Berliner Gruppe: Gelegenheitsarbeiten, ein wenig Obst und Gemüse anbauen, Kaninchen züchten und sich um die Kinderschar kümmern.

1923 waren Gerhard und Agnes voll integriert in die von Filareto Kavernido ins Leben gerufene Kommune. Schoendelen scheint das verantwortliche “Haupt” der Kaverno in Düsseldorf, eine Art Zweigstelle, gewesen zu sein. Filareto berichtet in seinen Artikeln für die Ido-Presse von diversen Reisen und Besuchen in Düsseldorf-Eller von Berlin aus, es geht um organisatorische Fragen sowie um Probleme mit den Schulbehörden. Jetzt werden die beiden letzten Kinder der Schoendelens geboren: Veremino, genannt Metha (Januar 1923) und Agemino (März 1924), unsere Gesprächspartnerin. Nach Ageminos Geburt musste Agnes operiert werden. Die Operation wurde von Goldberg ausgeführt und endete mit der Entfernung der Gebärmutter. Interessant ist, dass die jüngsten Kinder Namen auf Ido erhielten, die Kunstsprache, welche als Reform-Esperanto 1907 gegründet wurde und die sozusagen die “Amtssprache” der Kaverno di Zaratustra war, obwohl wahrscheinlich nur einzig und allein Filareto sie beherrschte und benutzte wann immer er konnte. Er schrieb auch fleissig Beiträge für diverse Ido-Publikationen. In der Monatszeitschrift Libereso veröffentlichte er 1924 stolz, dass in der Kaverno di Zaratustra bereits 5 Kinder geboren und Namen auf Ido bekommen hätten: Vertuemo, Joyigemo, Sajero, Esperoza und Veremino. Dazu sein Spruch: “So haben wir also eine lebendige Werbung der Ido-Sprache geschaffen!”. Veremino heisst “die Wahrhaftige”, Agemino ”die Handelnde”.

Während dieser Jahre besteht ständiger Kontakt zwischen Berlin und Düsseldorf. Wir wissen zum Beispiel von den Besuchen eines Berliner Kommunarden in Düsseldorf. Es handelte sich um Adolf Mosch, der bekanntlich 1924 in Berlin Filaretos Kommune zusammen mit einer anderen enttäuschten Kommunardin, Helena Boche, verliess (siehe https://filareto.info/item/zeitgenossen-adolf-mosch/). Elisabeth Burkhardt war mit Sohn Kurt im März 1924 nach Düsseldorf gekommen und zog im Juli dann weiter nach Berlin. Die Gründe sind uns unbekannt, jedenfalls hatte dieser Besuch Folgen, denn sie fuhr offensichtlich zurück nach Düsseldorf und bekam dort 1925 eine Tochter, deren Vater Gerhard Schoendelen war. Es handelt sich um Sunozino Schoendelen, geboren am 4.3.1925.

Kurz darauf, 1925-26, wird der Entschluss gefasst, Deutschland zu verlassen. Beide Gruppen sind sich wohl einig. Wir wissen leider nichts genaueres über den Ablauf dieses nicht einfachen Auswanderungsprojektes. Warum ausgerechnet die Gegend um Tourretttes-sur–Loup gewählt wurde, wissen wir auch nicht mit Sicherheit. Unsere Vermutung geht dahin, dass Goldberg, der sich bereits auf der Flucht vor einem drohenden Prozess in Berlin nach Paris abgesetzt hatte, Kontakt zu Dr. Monod hatte, der in Les Courmettes ein Sanatorium betrieb. Das alles wird in den verschiedenen Chroniken dieser Webseite erzählt, welche sich mit dem Leben von Filareto, Burkhardt, Gloger, Schenk und Uhrig befassen. Die Düsseldorfer Gruppe machte sich wohl bereits im März 1926 auf den Weg. Die anderen kamen erst im Mai nach.

Über die Kommune und ihre Teilnehmer in den Jahren zwischen 1926 und 1929 haben wir in den Familien-Chroniken berichtet. Immer wieder werden Agnes, Gerhard Schoendelen und manche der Kinder erwähnt, das haben wir aus den Erzählungen anderer Kommunenkinder und Nachkommen (Kurt Burkhardt, Familie Schenk) übernommen. Wir verweisen hier auf diese Chroniken, die sich auf der Webseite finden. Erwähnenswert ist der Tod der 16-Monate alten Sunozino Schoendelen am 8. August 1926 in Les Villars. Ihr Tod verursachte eine Krise, als die Frauen wegen der Entbehrungen und Schwierigkeiten des Kommunenlebens aufbegehrten. Kurz darauf floh Hannchen Gloger mit ihren Kindern; es scheint, dass sowohl Mally Michaelis wie auch Agnes Kautz die Flucht versuchten, aber ohne Erfolg.

Übrigens fällt auf, dass Schoendelen nicht dabei war, als 5 Männer der Kommune wegen Nacktheit bei der Feldarbeit angeklagt wurden. Verärgerte Bauern aus der Nachbarschaft hatten sie angezeigt. In zwei Zeitungsnachrichten aus dem Jahr danach (Le Petit Niçois 26.1.1927 und 18.12.1928) werden die uns bekannten Heinrich Goldberg, Alois Schenk, Karl Uhrig und zwei andere Männer, von denen wir nichts weiter wissen, Rudolf Hirzel und Ewald Stockfisch, benannt. Sie wurden 2 Jahre “nach dem Vergehen” zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Da sie aber bereits nach Korsika weitergezogen waren, wurde das Urteil in Abwesenheit gefällt. Diese Strafe kam zu anderen früheren und späteren Urteilen hinzu, die schliesslich die Auflösung der Gruppe beschleunigte.

Von rechts: Agnes, Agemino, Gerhard, Regine, Veremino und Karl. Die beiden aus Tourrettes mitgekommenen Esel, Ferdinand und Isabella. Es fehlt nur Mathilde. Wir datieren dieses Bild auf den Sommer 1930

Nach knapp 2 Jahren auf Korsika zerbrach 1929 die Kommune und die letzten Mitglieder der Gruppe gingen im Streit auseinander. 1929 setzte sich Heinrich Goldberg mit Mally, Carl und Kindern “sowie der Kasse der Kommune” ab. Er verschwand Richtung Haiti via Bordeaux und endete schliesslich in der Dominikanischen Republik. Zurück blieben einige wenige. Die Familie zieht sich auf ein Grundstück zurück, dessen Produkte Gerhard und die Kleine Agnes auf dem Markt verkaufen. Wir vermuten, dass es ein anderes Grundstück war, denn das frühere gepachtete Land der Kaverno wäre für eine Familie zu gross gewesen. Es gibt Bilder von den Kindern, die wohlernährt aussehen und gut gekleidet sind. Das Grundstück sieht auch sehr ordentlich und gepflegt aus. Die beiden Esel, die die Kaverno aus Tourrettes mitgebracht hatte, Ferdinand und Isabella, sind auch dabei.

September 1930 floh Agnes mit den 3 kleineren Kindern nach Deutschland, wohl gegen den Widerstand von Gerhard Schoendelen. Er soll von der Flucht erfahren haben als Agnes und die Kinder bereits in Marseille waren. Sie erlebten eine abenteuerliche Reise. Von Marseille aus gelangten sie bis nach Colmar, nahe der Grenze nach Deutschland; dort mussten sie länger warten, da sie keine Ausweise oder gültige Dokumente hatten. Dann konnten sie über die Grenze bis nach Köln und schliesslich nach Uerdingen gelangen, wo sie im November 1930 ankamen und bei einer Schwester der Mutter Unterkunft fanden. Die Kinder kamen hier zur Schule, Regine ging ins Kloster, vielleicht 1931.

Dann kam Anfang 1933 Mathilde, die älteste Schwester, aus Korsika zurück. Sie war schwanger und bekam im April 1933 ein Mädchen, Elisabeth. Die Grosse Agnes arbeitete in der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen als Putzfrau. Mathilde bekam dort auch eine Arbeit. Regine, erst 14 Jahre alt, war inzwischen aus dem Kloster wieder ausgetreten und kriegte eine Stelle bei einer Kaffeefabrik. Elisabeth, Mathildes Baby, war zwei Jahre in der Kinderstation des Joseph-Hospitals in Uerdingen. Mathilde heiretate dann 1935 Theo Rosen, da war Elisabeth zwei Jahre alt. Sie wurde vom Ehemann adoptiert und kam heim zu ihnen. 1940 bekamen sie eine Tochter namens Ingrid. Agemino sagt uns, dass sie diese ersten Jahre in der Familie (zunächst ohne Vater Gerhard) nach der Rückkehr in schönster Erinnerung habe.

Gerhard Schöndelen blieb mit den älteren Kindern auf Korsika. 1935-36 kehrte Sohn Gerhard nach Deutschland zurück. Er musste zum Arbeitsdienst und anschliessend zum Militär, da er die deutsche Staatsangehörigkeit hatte. Weil er sich einer schweren Operation unterzogen hatte, musste er später nicht an die Front. In Oldenburg lernte er seine spätere Frau kennen.

1937, kam auch der Vater Gerhard mit Sohn Karl zurück. Die Reise soll abenteuerlich gewesen sein, sie kamen auf Umwegen über Nordafrika heim. Die Kleine Agnes, inzwischen 22 Jahre alt, war wohl nicht dabei; wo sie geblieben ist, weiss die Familie nicht, vielleicht auf Korsika. Einmal in Deutschland angekommen, wurde Karl einberufen. Er fiel 1944 an der Ostfront als Unteroffizier.

Nach seiner Rückkehr 1937 war Gerhard Schöndelen politisch nicht mehr interessiert. Er schaffte es mit etwas Glück, dass Agnes ihn wieder in die Familie aufnahm. Seine “verrückten Zeiten” aus den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg waren vorbei. Agemino weiss nicht wie er und Goldberg sich damals kennenlernten hätten, es wäre ihr “schleierhaft”, wie sie zusammengekommen sind. Sie seien in den 20er Jahren “wie Zigeuner herumgezogen”, Düsseldorf, Berlin, andere Städte. Und die Grosse Agnes immer mit allen Kindern dabei, für Agemino “unbegreiflich”. Agemino sagt uns, Grossvater Gerhard sei sicher ein intelligentes Kind gewesen, aber “er hat seine Intelligenz eben falsch eingesetzt”.  Nach seiner Rückkehr 1937 habe er ein Stück Land gepachtet und Gemüse und Obst angebaut sowie Kaninchenzucht betrieben. Er meinte, und lag damit sicher nicht falsch, der Krieg komme bestimmt und so wäre die Familie besser versorgt.

Passfoto Schoendelen 1944

Er kümmerte sich immer um die Familie, war aber relativ autoritär. Seine Ansichten und sein Verhalten in Sachen Erziehung waren eher traditionell. Diese Haltung, welche die Gleichheit der Rechte der Frauen in der Praxis negierte und die in der Kommune gängig war, hatte bereits zu vielen Widersprüchen und  scharfen Auseinandersetzungen geführt. Es wäre interessant zu wissen, wie die zwei Leitfiguren der Kommune, Goldberg und Schoendelen, miteinander sowie mit diesen Fragen umgegangen sind. Sie waren sich in der autoritären Kontrolle ihrer jeweiligen Gruppe innerhalb der Kaverno wahrscheinlich ähnlich. Aber ob eine Rivalität oder Konkurrenz bestanden hat und wie sie sich artikuliert hat, darüber können wir heute nur noch Vermutungen anstellen. Jedenfalls setzte sich dieses Verhalten nach dem Scheitern des Projekts im Leben der Familie Schoendelen und nach der nicht einfachen Rückkehr in die Heimat fort. Der aus Korsika zurückgekehrte Vater erlaubte zum Beispiel den jungen Mädchen Regine, Veremino und Agemino nicht, einen Beruf zu erlernen, so wie sie sich das gewünscht hätten. Stattdessen sollten sie sofort arbeiten. Regine verliess dann das elterliche Haus. Veremino hätte Schneiderin werden wollen, aber es ging nicht. Agemino, inzwischen 14-jährig, arbeitete einige Zeit in den Dreiring-Werken, wie auch Schwester Regine. Bevor sie einen Arbeitsvertrag bekam und zur Kontoristin aufsteigen konnte, musste die Firma sich verkleinern, und ihr wurde gekündigt. Sie musste dann woanders eine Stelle finden. Sie ist wohl das einzige noch am Leben gebliebene Kind von Schoendelen und der Grossen Agnes.

Hier beenden wir diese Geschichte. Vielleicht kommen irgendwann neue Fakten und Erkenntnisse ans Licht, die unsere Chronik vervollständigen.

Gerhard und Agnes Schöndelen

Gerhard Schoendelen starb 1966, seine Frau Agnes 1968.

Bilder aus dem Familienalbum von Agemino Schoendelen

Zusammengestellt und verfasst von Heidi Hillen und Santiago Tovar

08.2020