Passfoto des Berliner Anarchisten Filareto Kavernido

Dr. Heinrich Goldberg alias Filareto Kavernido

Arzt, Anarcho-Kommunist, Lebensreformer
*1880 in Berlin, +1933 in Moca, República Dominicana

Filareto Kavernido, geboren 1880 in Berlin, bürgerlicher Name Heinrich Goldberg, durchlebt eine gesicherte Kindheit in einem wohlhabenden jüdischem Arzthaushalt. Er studiert Medizin an der Universität Unter den Linden (später Humboldt-Universität) zu Berlin, promoviert zur selben Zeit wie Alfred Döblin in Freiburg bei Prof. Hoche und praktiziert in Berlin. Doch dann gibt es eine Wendung in seinem Leben. Aus verschiedenen Gründen bricht der Nietzsche-Anhänger Heinrich Goldberg aus seinem etablierten Leben aus, verlässt Deutschland 1913 und kehrt erst November 1918 zurück. Bald darauf gründet er die anarcho-kommunistische Kommune „Kaverno di Zaratustra“ in Berlin. Er veröffentlicht seine Ideen in eigenen Schriften, auch in der Kunstsprache Ido, publiziert seine kulturphilosophischen Gedanken u.A. in “La Socio” und in “Libereso”, sowie in der französischen Zeitschrift „L’en Dehors“ und korrespondiert mit Sozialphilosophen und Reformern wie Pierre Ramus in Wien, Theodor Plievier oder Margarethe Hardegger in der Schweiz. 1926 zieht er mit seiner Kommune nach Tourrettes-sur-Loup in Südfrankreich und dann nach Korsika bevor er schließlich 1929 in die Dominikanische Republik auswandert, wo er 1933 unter noch ungeklärten Umständen erschossen wird. Kavernido findet Erwähnung in zahlreichen Publikationen von Autoren wie Alfred Döblin, Anna Seghers, Max Fürst, Harry Wilde, Joaquín Maurín, Ulrich Linse, Dolors Marin, Regula Bochsler  u.A.

Aktuelles

Letzte Änderungen

Zahlreiche Informationen haben zu neuen Kenntnissen geführt, die wir in die Website eingearbeitet haben.

An dieser Stelle werden wir eine aktualisierte Liste der neuen Beiträge anzeigen

Karl Uhlik – Nicht Carl Uhrig

Bisherige annahmen müssen korrigiert werden
Carlos el Alemán, Mitglied der Kaverno
Identität gefunden? Carlos Uhlik Fischer, nicht Carl Uhrig ?

Ein Zeitungsartikel aus Wien aus dem 1925 bringt Neuigkeiten

Liebe Freunde der Website,

wir, die Herausgeber, müssen darauf aufmerksam machen, dass wir bei einem Zeitgenossen Filaretos einer falschen Spur nachgegangen sind.

Jahrelang sind wir der Meinung gewesen, dass Carl Uhrig, ein 1878 geborener Buchhändler aus dem Rheingebiet derjenige Kommunarde war, der bis zuletzt neben Filareto und Mally in der Dominikanischen Republik stand.

Dies hat sich aber als Irrtum erwiesen.

In den spärlichen Nachrichten und Dokumenten, in welchen er erwähnt wurde, gab es mehrere verschiedene Schreibweisen für seinen Namen: Urich, Uhlik, Ulik, Uhlig, Uhliek, usw. Dies bot neue Ansätze für die Recherche

So ist neuer Text über die Kaverno di Zaratustra aufgetaucht. Es handelt sich um einen Artikel in der Wiener Zeitung Der Tag vom 4. Januar 1925 mit dem Titel:

La Caverna di Zaratustra, Wenn sich Anarchisten bei einer armen alten Frau “einquartieren”

Wir reproduzieren nachfolgend den Artikel, dessen Lektüre einiges zum Verständnis der Goldberg-Kommune beiträgt und einige interessante Angaben enthält:

Agemino Schöndelen, das letzte Kind der Kommune verstorben

geb. 6.3.1924 in Düsseldorf-Eller
gest. 5.10.2023 in Rheinberg

Agemino (Fränzi) Schöndelen, ca 1928


Agemino Schöndelen, 2023

Das letzte lebende “Kind” der Kaverno di Zaratustra, Agemino Schöndelen, Tochter von Agnes Kautz und Gerhard Schöndelen, ist am 5.10.2023 im Alter von 99 Jahren im Kreis ihrer Familie friedlich gestorben.

Sie hat bis zuletzt einen wachen Verstand und ein außergewöhnliches Gedächtnis behalten. Agemino und ihre Tochter Heidi Hillen nahmen vor einigen Jahren Kontakt zu uns auf. Wir haben seitdem viele Gespräche geführt und Informationen und Dokumente ausgetauscht.

Dank ihrer Erzählungen und ihrem Fotoalbum konnten wir viele Lücken unserer fragmentarischen Geschichte der Kaverno und ihrer Familie mit Inhalt füllen. Sie gab uns eine sehr lebendige Information über die Kommune, in der sie als Kind bis zum Alter von 6 Jahren aufwuchs. Das letzte Gespräch mit Antworten auf unsere Fragen führten wir über ihre liebe Tochter am Vorabend ihres Ablebens.

Wir trauern um Agemino, die “Handelnde”, die ihren Ido-Namen mit Stolz und Würde trug, und senden der Familie Hillen und anderen Angehörigen unser herzliches Beileid und unseren aufrichtigen Dank.

Heinrich Goldberg im Britischen Internierungslager Knockaloe 1915-1918

Kurz nach seiner Verwandlung in Filareto Kavernido verliess Goldberg 1913 Deutschland und zieht durch verschiedene Länder, bis er schliesslich in England landet. Er hatte darüber in einigen Artikeln berichtet, wenn auch etwas ungenau. Daraus entstand bei uns die Vermutung, dass er zwischen 1915 und 1918 in einem Englischen Internierungslager gewesen sein musste. Dank der Memoiren des Anarchisten Adolf Mosch wissen wir auch, dass er dort seine festen anarcho-kommunistischen Überzeugungen entwickelte. Er war im Kontakt mit Anarchisten, Gewerkschaftern oder linken Sozialdemokraten, darunter Rudolf Rocker. Anfang 1918 tauchte Goldberg wieder in Holland auf, von wo er sich November 1918 nach Berlin begab. Dann gründete er die Kaverno di Zaratustra.

All dies lag nahe, wenn man Filaretos Berichte in das historische Zeitgeschehen einordnete. Wir hatten aber keinerlei Belege. 

Dank der kürzlich erfolgten Recherchen eines englischen Privatforschers, Peter Bate aus London, können wir nun diese bislang fehlenden Jahre in Goldbergs Vita nachvollziehen und dokumentieren.

Margarete Gerbeit, Kavernidos älteste Stieftochter, in England gefunden

Wie es mit den Nachkommen der Mitglieder der Kaverno di Zaratustra so oft geschah, sind manche der beteiligten Erwachsenen und Kinder entweder in Vergessenheit geraten oder im Laufe der Zeit einfach verschwunden. Es ist von Anfang an, seit 2003, das Bestreben dieser Webseite gewesen, diese Menschen ausfindig zu machen.

Von den Kindern Hannchen Glogers – Lotte, Vertuemo, Sajero und Tamen – erfuhren wir das Wenige, woran sie sich im Zusammenhang mit ihrer verschollenen Schwester bzw. Halbschwester Margarete, genannt Grete, erinnerten. Grete war die zweite Tochter Hannchens aus ihrer Ehe mit Gustav Gerbeit. Wir hörten, wie sie kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte, gemeinsam mit der Photographin Traut Hajdu und deren Lebensgefährten Anastasius (Stasy) Kätzler. Die Gruppe liess sich wohl auf Ibiza nieder, wo sich eine Künstlerkolonie gebildet hatte. Hier verliert sich das erste Mal ihre Spur. Viele Jahre später, 1949, nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, erhielt die Familie Briefe und Care-Pakete von Grete aus London. Der einzige erhaltene Brief war am 9.1.1949 datiert. Soweit wir wissen, kam danach nichts mehr, und einige Versuche der Familie, sie in den sechziger Jahren in London zu finden, schlugen fehl. Wir hatten also keine neuere Information über ihr Schicksal bis jetzt, 2023, als ein Privatforscher aus England, Peter Bate, auf der Suche nach der Lebensgeschichte des Malers Hal Woolf, der Margaretes Ehemann gewesen war, auf sie stiess und mit uns Kontakt aufnahm. Nachfolgend Gretes Geschichte mit den neuen Erkenntnissen, die P. Bate uns vermittelt hat.

Wie Dr. Heinrich Goldberg zu Filareto Kavernido wurde

Aus der Zeitschrift “La Socio” (Die Gesellschaft), von der Gruppe der Idista Laboristi seit 1918 in Arnhem (Niederlande) monatlich herausgegeben, entnehmen wir einen von Heinrich Goldberg im Dezember 1918 veröffentlichten Artikel, in welchem er die Geschichte seiner Verwandlung in Filareto Kavernido erzählt. Im Detail berichtet er, wie er Zarathustra begegnete und wie sich dieses Ereignis auf sein zukünftiges Leben auswirkte.

Neuer Fund aus dem Jahr 1920

Verhaftete Räuber
Vorwärts 07.09.1920

Wir haben den Fund dieser Zeitungsnachricht, wie auch anderer interessanter Erkenntnisse in den letzten Jahren, unseren forschenden Freunden des Artur-Streiter-Arbeitskreises zu verdanken. Bekanntlich haben wir unsere Recherche darauf konzentriert, möglichst viel Information über die Umstände und die Menschen zu sammeln und zu veröffentlichen, die in der Goldberg-Kommune zwischen 1920 und 1933 verkehrten oder mit ihr zu tun hatten. Hier taucht der Name eines jungen Arbeiters auf, Fritz Kanitz, 19 Jahre alt, der uns unbekannt war und der zwischen Mulackstraße und Mariendorf, den zwei Adressen der Kaverno, in den Anfangsjahren der Gruppe pendelte. Er muss also zur selben Zeit wie Artur Streiter in der Kommune verkehrt haben.

Öffentlicher Vortrag zu Goethes Faust

“Freiheit” vom 24.05.1919

Einladung Öffentlicher Vortrag, Kavernido zu Goethes Faust

Die Morgenausgabe der Zeitung “Freiheit” vom 24.5.1919 bringt ein kleines Inserat. Dr. Heinrich Goldberg referiert in der Sophienschule, im Scheunenviertel, über Goethes Faust.

Dr. Goldberg war im November 1918 aus dem Ausland nach Berlin zurückgekommen. Im Mai 1919 befindet er sich mit dem Aufbau der Kaverno und der Verbreitung seiner Ideen voll beschäftigt. Wir wissen (siehe Harry Wilde), dass er in dieser Schule in späteren Jahren oft Vorträge gehalten hat. In der Regel musste man Eintritt zahlen. Goethe war eines seiner Spezialgebiete.

Anna Seghers schreibt zu Kavernido auf Korsika

Wir bekamen im August 2021 durch die Anna-Seghers-Gesellschaft den Hinweis auf die Erzählung „Der letzte Man der ‘Höhle’ “ aus dem Jahre 1929, in der Anna Seghers sich auf die „Kaverno di Zaratustra“ bezieht. Wir bedanken uns bei der Gesellschaft, deren Website hier zu finden ist: Anna-Seghers-Gesellschaft herzlichst für diesen Hinweis. Sobald wir die Texte aufbereitet haben, werden wir sie hier veröffentlichen.

Vita

Eine Einführung in das Leben des Filareto Kavernido

Presseartikel

Eine Sammlung von Zeitungsartikeln von und über Filareto Kavernido

Erörterungen

Erörterungen und Gedanken zum Leben von Filareto Kavernido